Brrr, kalt ist es geworden! Ich wollte Winter, da habe ich ihn. Dann muss ich mir sputen mit meiner Caban-Jacke, und es geht ganz gut voran, muss ich sagen. Erstaunlich ist, wie wenig Zeit ich bisher an der Nähmaschine verbracht habe. Die Mehrheit der Nähte habe ich bisher von Hand ausgeführt, aber wesentlich langsamer bin ich nicht geworden, denn die Erfolgsquote ist im Vergleich zu meinen früheren Jackenprojekten deutlich gestiegen. Ich muss einfach weniger Korrekturen ausführen, was zum einen an der sorgsamen Vorarbeit liegt, die eben von Hand ausgeführt wird. Man hat da einfach mehr Kontrolle über das Arbeitsstück.
Zum Anderen liegt es aber einfach schlicht daran, dass ich bisher keinerlei Korrekturen vornehmen musste, was die Passform betrifft. Auf die Gefahr hin, mich jetzt lächerlich zu machen :-) : es ist so eine Offenbarung, ein Kleidungsstück, welches nach Maß gearbeitet wurde, das erste Mal anzuprobieren. Es ist, als wäre da nichts, die Jacke "schwebt" einfach um einen herum. Nirgendwo zwickt es, engt ein oder bildet Zugfalten. Wirklich wie eine zweite Haut. Das ist jeden von Hand ausgeführten Stich wert, denn ich freu mich jetzt schon auf meine Jacke, und hoffe, dass sie lange halten wird.
Ich möchte zwar noch ein paar kleinere Änderungen am Schnitt vornehmen, diese betreffen aber fast alle die Gestaltung und nicht die Passform. Lediglich an der hinteren Rückennaht habe ich eine kleine Korrektur vorgenommen, ansonsten sitzt alles so, wie es soll. Ich bin begeistert!
Die Verstärkung aus Rosshaareinlage samt Plack sowie den Kragen habe ich ja letzte Woche pikiert. Nun geht es an das restliche Innenleben, bevor ich dann die Schicht Ice Wool anbringe, zumindest im Rückenbereich als extra wärmende Schicht. Leider hat es mir die dunkle Farbe der Jacke und das Winterlicht nicht leicht gemacht, das Ganze zu fotografieren, aber ich hoffe, Ihr könnt dennoch was erkennen.
Säume verstärken
Hierfür habe ich einen Rest Leinen verwendet und auf die Saumzugaben sowie die Schlitzbelege pikiert. Ich muss sagen, es gefällt mir viel besser, die Belege so von Hand zu nähen, als diese lästige Bügeleinlage gescheit hinzubekommen, und schneller geht es auch. Anders würde es vielleicht aussehen, wenn ich eine Profi-Bügelpresse dauerhaft aufgebaut hätte. Aber ich muss immer erst meine Bügelstation aufbauen, und bis das alles soweit ist, habe ich die Belege auch schon per Hand aufgenäht. Außerdem kann ich das so gemütlich im Wohnzimmer machen, da wo eben gerade ein schöner sonniger Platz ist...
Ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber probiert es doch mal aus, billiger ist es sowieso, und ich würde sagen, das Resultat ist genauso gut, eher besser.
Saumzugaben flach annähen
Damit die Nahtzugaben der Längsnähte schön flach liegen und dies auch so bleibt, habe ich sie nach dem Bügeln mit Hexenstich locker festgenäht.
Hinteren Halsausschnitt verstärken
Der hintere Halsausschnitt darf nicht ausleiern. Aus diesem Grund wird ein Stück Schrägband, welches vorher gedehnt wurde, mit Steppstich aufgenäht.
Kragen anbringen
Den Kragen habe ich ebenfalls von Hand angenäht. Dabei folge ich weiterhin der Anleitung von Thomas von Nordheim, Couture sewing techniques.
Ich nähe Kragen nicht in einem Rutsch, damit sich nichts verzieht. Ich habe zunächst die hintere Naht geschlossen. Erst dann habe ich die Crochetnaht (die Naht zwischen Kragen und Revers) geschlossen. Sobald ich alles gebügelt habe, werde ich die Nahtzugabe des Oberkragens innen mit Hexenstich befestigen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Damen- oder Herren-Variante machen werde. Bei Damenjacken wird traditionell die Nahtzugabe der Jacke eingeschnitten und nach unten gebügelt, darauf wird dann der Oberkragen genäht. Bei Herrensakkos wird die Nahtzugabe in den Kragen gebügelt, das liegt daran, dass traditionell dünnerer Kragenfilz für den Unterkragen verwendet wird.
Vorderen Beleg an der Einlage befestigen
Die Nahtzugaben der vorderen Kante werden von Hand an dem Kantenband befestigt. Dabei wird unterhalb des Revers die Nahtzugabe etwas nach innen gezogen. Dies bewirkt, das die Nahtrille später auf der Innenseite (=Belegseite) liegt und von außen nicht zu sehen ist. Da der Reverskragen nach außen umgeschlagen wird, muss oberhalb des Revers die Nahtrille außen liegen (Oberstoffseite, bei nicht umgeschlagenen Revers). Oberhalb des Revers wird die Nahtzugabe daher ohne Zug locker angenäht.
Sobald dies geschehen ist, kann der Beleg nach innen gelegt werden, Das Revers wird in der finalen Position mit großen Stichen geheftet. Nun kann der Beleg innen an der Rosshaareinlage per Hexenstich befestigt werden.
So, das wars jetzt erst mal für heute, weiter geht es jetzt mit der Einlage aus Ice Wool, und dann kommen auch schon die Ärmel dran. Die liegen schon fertig dressiert bereit.
Euch noch einen schönen Sonntag,
Eure Anne Sophie





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