Eine Caban-Jacke konstruieren und nach Couture-Technik nähen, Teil 2

Hallo Ihr Lieben

heute geht es weiter mit meiner Caban-Jacke, bei der ich schon einigen Fortschritt vermelden kann. 

Letztes Mal habe ich Euch gezeigt, wie man das Revers pikiert, ich folge dabei größtenteils dem Buch "Vintage Couture tailoring" von Thomas von Nordheim. Weitere extrem hilfreiche Anleitungen bietet die International school of tailoring.

 

Jetzt geht es darum, die Canvas-Einlage zu montieren. Zunächst wird diese geheftet, dabei ist es extrem wichtig, das die Position der späteren Form folgt. D.H. man darf die Einlage nicht flach auf den Oberstoff legen und dann heften, sondern muss beide Lagen je nach Körperteil gekrümmt halten, z.B. Richtung Schulter konvex gekrümmt, d.H. man hat eine nach außen gerichtete Wölbung. 

 

In diesem und den folgenden Videos könnt ihr das genauer sehen. Die gezeigten Methoden unterscheiden sich geringfügig von denen im Buch, aber da hat denke ich jeder Schneider so seine Vorlieben, außerdem kommt dann noch Erfahrung bezüglich dem verwendeten Material hinzu: Ein Mantel ist sicherlich etwas anderes als ein leichtes Sommersakko. 

 

Das Revers pikieren

Zunächst wird der Bruch pikiert, und zwar der Bruchlinie folgend. Anschließend wird im 45° Grad Winkel das Revers pikiert. Ich mache beim Ansetzen KEINEN Knoten, sondern 2-3 Rückstiche, auch wenn das bei flauschigen Wollstoffen vermutlich egal ist. Bei dünneren Jackenstoffen ist das aber sehr wichtig, damit sich nichts durchdrückt. Dabei nicht bis ganz zur Nahtlinie pikieren, weil die Einlage nach dem Pikieren zurückgeschnitten wird.

Anschließend werden Schnittkante und Bruchlinie noch mit einem (Schräg-)Band abgedeckt. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich nehme bei schweren Oberstoffen gerne festere Webbänder, da diese eine schöne stabile Kante liefern.

Den Unterkragen pikieren

In der oben genannten Video-Serie wurde der Kragen in drei Schritten pikiert. Diesen Tip finde ich phänomenal! 

Zunächst pikiert man den Steg, soweit so bekannt. Manche Schneider machen das auch mit der Maschine. Nun unterteilt man die Kragenfläche in drei Bereiche: Den hinteren Kragen zwischen den beiden Schulternähten, sowie links und rechts davon die beiden Kragenenden, die sich dann über die Schulter nach vorne an die Schulter anschmiegen sollen. 

Man pikiert nun zunächst den mittleren Teil. Warum? Dieser soll später aufrecht stehen und folgt damit noch der vorgegebenen Krümmung des Stegs. Hat man dies pikiert, kann man den Kragen nochmal an der Puppe oder an einer Person modellieren und die Einlage/Oberstoff schön glatt ausstreichen. Ich habe an dieser Stelle bereits etwas von der Einlage wegschneiden können, die sich nach vorn herausstreichen ließ. Die Einlage daher lieber nicht zu knapp zuschneiden. 

 

 

 

Interessanterweise wird es im Video anders herum gehandhabt: Die Einlage wird akkurat zugeschnitten, und der Kragenfilz mit etwas "Spiel". Das probiere ich das nächste mal aus. Was mir auch noch auffällt: Sowohl im Buch als auch im Video wird der Kragen aus einem Stück, also ohne separaten Steg, modelliert. Die Form wird nur durch das pikieren und das in Form bügeln erreicht. Auch wird im Buch erwähnt, dass manche Schneider den Kragen gar nicht konstruieren, sondern mit einem Streifen Stoff beginnen, diesen modellieren und das "Zuviel" anschließend wegnehmen und dann auch erst die Form der Kragenecke zuschneiden. Spannend! Das ist fast wie Bildhauerei. Nun Frage ich mich natürlich, ob das Konstruieren eines Steges aus der Konfektionsschneiderei stammt, denn man bekommt mit einer Naht Form in den Kragen, was auch die Verwendung von Bügeleinlagen erlaubt... Mich würde interessieren, wie man klassische Militärmäntel wie Trenchcoats, die ja sehr aufrechte steife Kragen hatten, konstruiert hat. Dazu habe ich noch keine genaue Information gefunden. 

 

 

 

Einen schönen Sonntag Euch,

Eure Anne Sophie

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 Heyy Oskar

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