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Taschen in französisch genähter Seitennaht

Ein Rock zum drin wohnen

Taschen in französische Nähte einsetzen

*Dieser Artikel enthält unbeauftragte Werbung durch Markennennung. Alle Materialien wurden durch mich ausgewählt und bezahlt*

Ich habe einen gekauften Rock, den ich im Sommer rauf und runter trage. Eigentlich war er, für das, was er ist, nämlich ein simpler Rock mit Gummibund, etwas zu teuer, aber der Druck gefiel mir so gut, wir waren im Urlaub, und man muss ja auch nicht ALLES selber machen, nur weil man es kann. Der Rock ist auch ein echter Glücksgriff und ein Kombinationswunder, und ich greife gefühlt jeden zweiten Tag danach, wenn es heiß ist. Deswegen dachte ich schon länger drüber nach, den Rock "nachzubauen". Die Konstruktion ist denkbar einfach, ein A-Linien-Rock in etwas über Wadenlänge, Saumbeleg, Gummibund, und Seitentaschen (!! Super wichtig !!). Der gekaufte Rock hat mit der Overlock versäuberte Nahtzugaben, wie man das so gewohnt ist. Ich nähe jedoch nicht mehr besonders gern mit der Overlock und nutze, wenn möglich, die französische Naht, wenn es um leichtere Baumwollstoffe oder Leinen geht. Dann muss man auch nicht die Maschinen wechseln.

 

Gesagt getan. Den Rock habe ich wie immer mit Valentina konstruiert, dazu ein andernmal mehr. Da die Seitentaschen auf gar keinen Fall fehlen dürfen, zeige ich heute nochmal, wie man Nahttaschen bei Französischen Nähten einsetzt. Am besten sieht man das bei bedruckten Stoffen, weil da sofort klar ist, was die linke und was die rechte Stoffseite ist. Ich hatte das ja hier schon mal als Tutorial veröffentlicht, allerdings mit Zeichnungen. Jetzt hatte ich endlich mal ein Beispiel mit einem bedruckten Stoff, also hier nochmal als Foto-Tutorial.

Der Stoff ist von See You At Six, einem belgischen Label. Es gibt ihn auch als French Terry, ebenfalls sehr schön!

 

 

Die Taschenbeutel und die Seitennaht nähen

Markiert Euch die Tascheneingriffe auf den Rockteilen und steckt die Taschenbeutel links auf links auf die Rockteile. Nun wird genau zwischen den Markierungen genäht, und zwar mit einem Abstand zur Kante von knapp einer halben Nahtzugabe. Also bei einer Nahtzugabe von 1,5 cm näht man 0,7 cm bis 0,75 cm von der Kante. Schneidet man die Nahtzugabe zwischen den Eingriff-Markierungen zurück. Die kleinen überstehenden Vierecke, die dadurch bleiben, kannst Du erst mal stehen lassen, sie werden aber in einem weiteren Schritt weiter unten ebenfalls zurückgeschnitten.

 

Jetzt bügelt man die Nahtzugabe Richtung Rockteil. 

Nun klappt man den Taschenbeutel Richtung Rock, nun liegen die bedruckten (rechten) Seiten aufeinander. Nun näht man auf der Nahtlinie, so dass die Nahtzugaben eingeschlossen sind.

Die Taschenbeutel des hinteren Rockteils sind damit fertig. Bei den Vorderteilen bügelt man noch die so eingeschlossenen Nahtzugaben Richtung Taschenbeutel und steppt diese auf dem Taschenbeutel fest (Untersteppen). So legt sich die fertige Tasche später besser nach vorne.  

Nun wird die Seitennaht geschlossen. Man kann die Seitennaht und die Taschenbeutel in einem Rutsch nähen, ich persönlich mache das separat, weil ich so die Rockteile bzw. die Taschenteile besser gegeneinander ausrichten kann und die Teile ggf. nochmal glatt streichen kann.

Ist die Seitennaht ober- und unterhalb des Tascheneingriffs geschlossen (wieder bei etwa 1/2 der Nahtzugabe genäht), schneidet man die Nahtzugaben knapp neben der Naht zurück. 

Nun steckt man die Taschenbeutel aufeinander, näht ringsum (beginnend und endend bei der Seitennaht) und schneidet die Nahtzugaben zurück.

Jetzt wendet man das Teil und bügelt die Kanten. Nun kann man wie gewohnt neben der Nahtzugabe die zweite Naht setzen, diesmal in einem Rutsch.

Wenn man möchte, kann man die Tascheneingriffe oben und unten noch mit je einer Quernaht sichern, dabei darauf achten, dass der Taschenbeutel auch nach vorne zeigt und mitgefasst wird.

Fertig sind die Taschen!

 

Für den Rock fehlt jetzt nur noch der innere Bundbeleg und der Saumbeleg, ein Gummiband, und das wars auch schon.

Beide Belege werden einfach rechts auf rechts auf den Rock gesteckt und entlang der Kante gesteppt. Belege nach innen wenden, bügeln und eingeschlagen feststeppen. Beim Bundbeleg eine Öffnung für das Einziehen des Gummibands lassen.

 

So ein Rock geht wirklich sehr schnell, es gibt eigentlich echt keinen Grund, das nicht selber zu nähen. Für diesen Rock habe ich nur ca. 1,2 m Stoff gebraucht bei 163 cm Körpergröße. Wie ihr allerdings an der Tasche seht, habe ich bei diesem großen, unregelmäßigen Print und der schrägen Seitennaht von vorneherein darauf verzichtet, das Motiv fortzuführen, das wäre mir dann zu teuer geworden. Vermutlich hätte ich dann die doppelte Menge Stoff gebraucht. Ich habe außerdem die Belegteile für den Bund nicht im Bruch zugeschnitten, das spart Stoff. Wenn es das Muster zulässt, kann man den Beleg auch längs zuschneiden, das fand ich bei den großen Fischen aber nicht so schön.

 

 

 

Nahtzugaben nach hinten oder nach vorne?

Noch ein Hinweis zu den Nahtzugaben: Normalerweise würde man ja die Nahtzugaben in das hintere Rockteil bügeln. Das führt aber dazu, dass die Taschen sich nicht so glatt nach vorne legen, weil sie ja immer durch die Nahtzugaben nach hinten gezogen werden. Das könnt ihr Euch mal bei Kaufkleidung anschauen: Dort werden die Nahtzugaben (Overlock-versäubert) oft nach hinten gelegt, aber ober und unterhalb der Taschen eingeschnitten und nach vorne gelegt.

Ich lege die Nahtzugaben daher bei französischen Nähten und dünnem Stoff immer nach vorne, weil ich das Einschneiden vermeiden will.  Bei dickeren Stoffen und weiteren Kleidungsstücken kann man auch nur die Nahtzugabe oberhalb der Tasche nach vorn legen, die untere nach hinten.

Bei körpernäheren Kleidungsstücken würde ich folgendes Machen: Entweder die Nahtzugabe unterhalb der Tasche, wo sie die Richtung wechselt mit wenigen Stichen festnähen, oder, wenn es bei dickeren Stoffen dann doch zu knubbelig wird, die Nahtzugabe einschneiden und mit einer V-förmigen Naht bzw. Textilkleber vor dem Ausfransen schützen. 

 

Warum Taschenbeutel extra zuschneiden?

 Ihr fragt euch jetzt vielleicht, warum man die Taschenbeutel nicht gleich mit anschneidet. Das kann man natürlich machen, aber

  • Durch die scharfen Ecken an den Stellen, wo die Taschen an die Seitennaht stoßen, kann man nur schwer die französische Naht arbeiten. Man kann die Stelle stark einschneiden, dann wird es instabiler, oder man rundet ab, das geht z.B. bei Unterarmnähten, wo man es nicht sieht. Bei Taschen geht das nicht so gut. 
  • Außerdem wird der Eingriff auch durch die zusätzlichen Nähte in Längsrichtung stabilisiert, und man kann auch bei dickeren/kostbaren Oberstoffen die vorderen Taschenbeutel aus anderen Stoffen zuschneiden.
  • Zuletzt hängt das auch vom Schnitt ab: wenn die Taschen wie hier an einer abgerundeten Naht sitzen, dann würde dort durch angeschnittene Taschen die Rundung fehlen.  

 

 

Liebe Grüße, Eure Anne Sophie

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 Heyy Oskar

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