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Stoffspielereien: English Paper Piecing

Stoffspielereien: EPP

 

Juhuuuhu, ich bin wieder da und dabei!

 

Ich war leider die vergangenen Monate aus gesundheitlichen Gründen stark eingeschränkt und auch schlicht zu müde, um großartig kreativ zu sein. Ich hatte zuletzt nicht einmal mehr Lust, irgendwas zu werkeln, und das ist sehr ungewöhnlich für mich, um nicht zu sagen, nahezu unmöglich unter "Normalbedingungen"! Ich hatte zuletzt richtig Sorge, dass ich nie wieder anfangen würde...

Umso mehr freut es mich, dass ich wieder so richtig Lust bekomme, ein paar meiner Ideen umzusetzen.

 

Aber zunächst habe ich mir auferlegt, einige meiner UFOs abzubauen, denn let's face it, Projekte zu beenden ist nicht meine große Stärke, wo es doch a) so viele neue tolle Ideen gibt, die in die Tat umgesetzt werden wollen, b) ich zum Perfektionismus neige, so dass kleinere Unstimmigkeiten das ganze Projekt on hold setzen können, und c) Kreieren und Entwerfen mir oft einfach mehr Spaß machen als manch monotonen Abschluss-Arbeiten.

 

Für das Thema English Paper Piecing hatte ich zwei bereits angefangene Projekte eingeplant. Mir macht die Technik sehr viel Spaß, vor allem gefällt mir, das man die einzelnen Teile gut unterwegs nähen kann, z.B. im Urlaub, oder auch im Wartezimmer, wie zuletzt... Der Nachteil ist, dass es damit eher ein "Zwischendurch-Projekt" ist, und damit zum Kandidat für ein Dauer-UFO wird. Das wollte ich jetzt ändern.

 

Ich finde auch das Nähen mit der Hand mittlerweile super, so richtig schön meditativ und geruhsam. 

Auch gefällt mir die Optik von handgearbeitetem Patchwork besser als allzu perfekten maschinengenähte Quilts. Bei Kleidungsstücken ist das irgendwie anders, die würde ich nicht von Hand nähen. Da erfreut mich aber auch eher die Präzision einer Naht, und ein perfekter Sitz, jedoch nicht die Arbeit an der Maschine an sich. Bei Wohntextilien wie Kissen und Decken hingegen finde ich die menschliche "Handschrift" irgendwie wohltuend. Nicht falsch verstehen, ich bewundere die Präzisionsarbeit von QuilterInnen sehr, aber rein stilistisch gefallen mir die rohen, unregelmäßigeren Arbeiten wie z.B. Boro oder Pojagi besser.

 

Ich frage mich schon einige Zeit, wieso das so ist, und ich denke, es liegt daran, dass das Ergebnis irgendwie "natürlicher" aussieht:

Ein Baum hat fast identische Blattformen, aber eben nur fast. Ein Leopard hat ein nahezu regelmäßiges Fellmuster, aber nur fast, und eine Wiese mit sacht schwingendem Gras ist nicht einfarbig grün, und auch sind nicht alle Halme gleich hoch, aber fast.

Deswegen gefallen mir auch manche Teppiche so gut, die einen bewusst eingearbeiteten "Fehler" enthalten. Erst dadurch erhält das ganze etwas lebendiges. 

 

Bei English Paper Piecing entsteht genau so etwas: Die Papierschablonen liefern eine gewisse Regelmäßigkeit, aber ganz perfekt wird es zumindest bei mir nie, das finde ich sehr reizvoll. Es hängt auch etwas von den verwendeten Stoffen ab: Am regelmäßigsten wird es vermutlich mit festeren Baumwollstoffen. Ich habe Reste von lockerem, älterem Leinen sowie einem Hemdenstoff aus Baumwolle mit Elasthan verwendet, beides neigt etwas zum Verziehen. Das zweite Projekt ist mit Batist gearbeitet, das geht besser, da sieht man allerdings die Nähte etwas mehr. Wer es "perfekter" haben will, nimmt am besten Patchworkstoffe aus Baumwolle. Ich bin mit meinen beiden Projekten nicht fertig geworden, denn zwischenzeitlich meldete sich mein Daumen und verlangte nach einer Pause. Aber fast!

 

Ein Bodenkissen aus Leinen und Baumwolle

Das erste Projekt ist ein Bodenkissen mit zwei unterschiedlichen Seiten, gefertigt aus alten Leinen- und Baumwollstoffen. Ich habe zuerst die Kreuze  mit der EPP-Methode zusammengenäht, und diese dann aneinander gefügt. Ich musste allerdings hier und da kleinere Nahtabschnitte wieder aufmachen, insbesondere im Zentrum der Kreuze. Durch den schrägen Fadenlauf an der Stelle leiert die Nahtkante leicht aus, so dass die Naht gerne mal zu lang wird und damit das "Dach" zu spitz.

 

Ich hätte mir es natürlich einfacher machen können und das Kreuz aus fünf Quadraten nähen können, aber das wollte ich aus optischen Gründen gerade nicht. Wenn man also vorab weiß, wie die Farbflächen angeordnet sind, so würde ich jetzt im Nachhinein empfehlen, die Teile erst an den geraden Kanten zusammenzunähen, und dann erst die schrägen Kanten arbeiten. 

Für die Rückseite wollte ich eigentlich ein einfarbiges Stück Stoff verwenden, aber ich hatte nichts im Fundus, was sich eignet. Die bereits verwendeten Stoffe stammen von Leinenhosen usw., daher gab es da kein Stück mit ausreichend Fläche. Also habe ich die restlichen bereits genähten Kreuze mit Stücken des dunklen Stoffs umgeben. In die Ecken werde ich noch farbige Quadrate setzen.

 

Umlaufend will ich dann eine Paspel arbeiten, aus dem dunklen Stoff, aber ganz in der Tradition der erwähnten Teppiche werde ich glaube ich einige Stückchen in farbig einfügen, damit es nicht ganz so regelmäßig ist.

 

Im Gegenlicht erinnert das Ganze an ein Glasfenster, finde ich!

 

 

Ein Stoffbild aus Batist

Das zweite Projekt ist eher grafischer Natur. Ich weiss noch nicht, was ich damit machen werde, aber ich denke, es wird eine Projekttasche werden, davon kann man ja nie genug haben...

 

Zuerst habe ich den Schriftzug entworfen, das "S" des Wortes Sun soll gleichzeitig eine stark stilisierte untergehende Sonne darstellen, die sich im Meer spiegelt. Das Sonnenmotiv darüber habe ich hinterher hinzugefügt. Zuerst war diese als Rückseite geplant, aber direkt darüber finde ich sie auch gut.

 

Ich habe das Motiv aus Resten von Batist (gleicher Stoff in verschiedenen Farben) gearbeitet, was auch wunderbar funktioniert. Allerdings ist die gelbe Variante durch den hellen Farbton deutlich durchsichtiger als die anderen Töne, weswegen man die Nahtzugaben durchschimmern sieht. Mir ist das erst sehr spät, nämlich nach Herauslösen einer der Papierschablonen aufgefallen, und das war auch der Grund, warum das Ganze liegengeblieben ist. Sehr ärgerlich, denn an sich finde ich das Motiv total gelungen. 

Ich wusste lange nicht, wie ich das reparieren könnte, habe mich jetzt aber entschlossen, es dennoch erst mal fertig zu stellen.

 

Ich denke, ich werde nun die Flächen nochmal ohne Nahtzugabe zuschneiden, entweder aus Originalstoff, oder aus festerem farbneutralem Stoff und diese dann als Einlage einsetzen. 

Entweder befestige ich diese Einlage nur an den Nahtzugaben, oder aber ich handquilte das Ganze, das muss ich ausprobieren, was mir besser gefällt. Das könnte einen netten plastischen Effekt ergeben, auch wenn ich es natürlich unfreiwillig kompliziert gemacht habe...

 

Ursprünglich wollte ich ohnehin die Sonne im "S"-Buchstaben etwas mit Quiltstichen akzentuieren, etwa so:

 

 

So, jetzt gibts erst mal leckere Pfannkuchen, und dann schaue ich mir an, was Ihr so gemacht habt. Wie schön, dass ich wieder dabei sein kann!

 

Liebe Grüße, 

Eure Anne Sophie

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Kommentare: 8
  • #1

    123-Nadelei (Sonntag, 31 Mai 2026 14:52)

    Zu dem Gefühl beim Handarbeiten, das bei Dir auch zwischen den Zeilen steht fand ich im Buch von Florentine Knapp Antworten.
    Auch bei mir hat sich mit der Zeit die Wertschätzung für rein handgemachte Sachen geändert. Beim Selbermachen haben wir ja die Wahl und entscheiden selbst. Deine Kreuze gefallen mir. Mit etwas Farbtonabweichung könnte mittig ein 3D Effekt entstehen.
    Die Möglichkeiten für Motive bei EPP sind vielfältig. Wenn es sich ergibt ziehe ich diese Technik dem Nähen auf Papier vor, wobei jede Technik ihre Vorzüge hat.
    Für Deine Gesundheit sende ich Dir beste Wünsche.
    LG Ute

  • #2

    merlecolibri (Sonntag, 31 Mai 2026 18:04)

    sehr fein deine kreuzmuster für so ein solches projekt * auch mit gegenlicht sehr schön !
    wünsche dir viele neue ideen
    mit liebe grüsse
    mo

  • #3

    3he fecit (Sonntag, 31 Mai 2026 19:02)

    Kreuzquilts mag ich gerne, ich habe meine Kreuze jedoch immer aus 5 Quadraten zusamengenäht. An EPP als Grundlage für die Kreuze hätte ich jetzt nicht gedacht. Macht mit der Nahtkreuzung in der Mitte aber durchaus Sinn. Deine Farbkombination gefällt mir außerdem sehr gut, und auch das Material Leinen. Und auch das Sonnen Patch gefällt mir sehr gut. Bezüglich des Durchscheinens der Nahtzugaben hätte ich auch ein Hinterlegen mit einer zweiten Schicht des gleichen Stoffs vorgeschlagen. Schöne Idee mit der aus dem Meer aufsteigenden Sonne.
    Liebe Grüße heike

  • #4

    Gabi - langer-faden (Sonntag, 31 Mai 2026 21:25)

    Deine Kreuze aus vier Teilen mit einer spitzen Seite gefallen mir, deine Farben ebenso. Auch dein 2. Projekt ist sehr spannend, nicht aus lauter gleichen Teilen zusamengesetzt, sondern viele verschiedene. Das gibt ein schönes Bild.
    Bezüglich Perfektion beim Nähen bin ich anderer Meinung, es gibt mit der Nähmaschine genähte Quilts, vor allem von den Afroamerikanerinnen, die weit entfernt von Präzision sind, aber ganz toll aussehen. Und ich habe Pojagis von koreanischen Meisterinnen gesehen, die sehr fein und super präzise mit Hand genäht waren. Perfektion ist keine Frage der Technik. Was ich nicht mag sind die mehr als perfekten Quilts von computergesteuerten Long-Arm-Maschinen, denen fehlt einfach jedes Leben.
    Es ist schön, daß es dir wieder besser geht und du bei den Stoffspielereien mitmachst.
    Liebe Grüße Gabi

  • #5

    Stoffnotizen (Sonntag, 31 Mai 2026 21:39)

    Schön, dass Du wieder dabei bist und es Dir besser geht! Das graphische EPP ist sehr kreativ, solch Rundungen bedürfen wahrscheinlich wohlüberlegter Längenabschätzungen beim Handnähen. Für durchscheinende Nahtzugaben muss ich mir für mein Projekt auch etwas ausdenken. Liebe Grüße!

  • #6

    Siebensachen (Montag, 01 Juni 2026 13:18)

    Ich freue mich auch für dich, dass du nach Genesung wieder Lust am kreativen Schaffen hast. Der Beweis ist hier sichtbar. Das Kreuzmuster hätte ich auch aus 5 Quadraten zusammengefügt und dafür die Nähmaschine benutzt. Aber es gibt ja oft mehrere Wege zum Ziel. Alles von Grund auf selbst entworfen und durchgeführt ist auf jeden Fall ein schönes, rundes Projekt.
    LG
    Beate

  • #7

    quod erat reparandum (Montag, 01 Juni 2026 18:06)

    Die Kreuze vor dem hellen Hintergrund gefallen mir sehr gut, fast wie Kirchenfenster! Alles Gute dir beim Gesundwerden und viel Kraft für die nächsten Projekte!

  • #8

    elvira (Samstag, 06 Juni 2026 16:13)

    Wie schön, dass es dir besser geht! Die Kreuze wirken sehr grafisch, vor allem mit der gekreuzten Mitte. Und dass die Sonne über Papier genäht ist, hätte ich nicht vermutet. Eine präzise Planung und gute Ausführung! Ich bin gespannt, ob das Hinterlegen der gelben Stoffe den gewünschten Erfolg bringt. Ich wäre wahrscheinlich zufrieden mit dem Ergebnis und würde es so lassen. Willkommen zurück und liebe Grüße, Elvira

 Heyy Oskar

 Email: info(at)heyyoskar.com


 

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