Eine Caban-Jacke konstruieren und nach Couture-Technik nähen, Teil 4

Weiter geht es mit der Caban-Jacke, wobei ich eigentlich schon fast fertig bin. Allerdings waren letzte Woche erst mal die Stoffspielereien dran, was mir immer super viel Spaß macht. Ich komme dabei auf so viele Ideen, die mir sonst nicht eingefallen wären!

 

Aber deswegen geht es erst jetzt sozusagen als Rückblick weiter mit der Caban-Jacke. Hier soll es ja auch um Konstruktion gehen, deswegen zunächst erst mal was zum Thema Ärmelkonstruktion. Ärmel können entweder weit mit flacher Ärmelkugel oder schmal mir hoher Ärmelkugel sein. Umso schmaler ein Ärmel, umso wichtiger ist die Passform. Deswegen bestehen Jackenärmel meist aus zwei Teilen, die durch ihre Krümmung zusammen die natürliche Armform nachbilden. Aus diesem Grund haben schmale Ärmel eine hohe Ärmelkugel, denn sie muss bei hängenden Armen bis hoch zur Schulter reichen. In dieser Haltung fällt der Ärmel glatt, hebt man den Arm, bilden sich an der Ärmelkugel Falten. 

 

Ich finde ja, dass die Schultern neben dem Revers das Wichtigste an Jacken sind. Wenn die Schultern nicht sitzen, sieht die Jacke merkwürdig aus. Dabei geht es gar nicht mal so sehr um die Schulterbreite, das ist ja auch Geschmackssache bzw. ein Modethema. 

In der Regel würde ich aber sagen: Wenn die Ärmelansatznaht an dem natürlichen Schulterpunkt endet und die Schulternaht eher gerade oder nur leicht abfallend geschnitten ist, dann sehen auch Ärmel mit einer etwas höheren Ärmelkugel gut aus. Ich bevorzuge zwar einen etwas kleineren Wulst an der Ärmelkugel, aber dennoch ist dort eine Wölbung zu sehen. 

Im Extrem wird das dann zum Keulenärmel, wie hier zu sehen: Klick. Wenn die Schulternaht aber stärker abfällt und überschnitten ist, dann sehen flach eingesetzte Ärmel in der Regel besser aus. Anders gesagt: Es gibt dann keine Wölbung am Übergang von Schulter zu Ärmel.

 

Es gab zwar in der Viktorianischen Mode auch voluminöse Ärmel, die an weit überschnittenen schräge Schultern ansetzten, da war die Weite aber gleichmäßig und ballonartig verteilt. Also eben nicht nur oben im Bereich der Ärmelkugel.  Hier zum Vergleich: Keule vs Ballon. Auch hier ist der Übergang flach oder zumindest gleichmäßig eingehalten, also ohne Wulst ausschließlich an der oberen Kante Richtung Schulter. Hier bei diem Kleid hat man das sogar noch zusätzlich mit dem Kragen geglättet. (Technisch gesehen heißen beide Formen Keulenärmel oder Leg-of-Mutton-Sleeve, ich habe den Begriff Ballon jetzt hier nur zur Unterscheidung der beiden Nuancen verwendet.)

 

Und auch in den 80ern, wo die Schulternähte gerade (im Sinne von horizontal) verlaufen, waren die Ärmelkugeln eher flach, also ohne Wulst: Klick. Dann können auch die breiteren Schultern harmonisch aussehen (obs gefällt, ist eine andere Frage....). Hier braucht man dann ein gutes Schulterpolster, damit das Ganze nicht zusammenfällt. 

 

Was aber tendenziell merkwürdig und schlecht sitzend aussieht ist, wenn die Ärmelansatznaht etwas außerhalb der natürlichen Schulterlinie liegt, also die Schulternaht etwas zu lang ist; und gleichzeitig die Ärmel schmal mit hoher Ärmelkugel sind. Das sieht dann immer etwas beliebig/nicht passend aus, so als ob der Ärmel eigentlich an der natürlichen Schulter sitzen sollte, aber einfach nur an der falschen Stelle sitzt. In so einem Fall kann man entweder die Schultern schmaler machen, oder die Ärmelkugel flacher machen, was aber in beiden Fällen zu einen völlig anderem Look führt. Letztere Variante führ zu einem gemäßigten 80-Look, der mir durchaus gefällt, allerdings muss das zum Rest der Jacke passen. Die Jacke sollte dann m.M.n. entweder tailliert, taillenkurz, oder am Saum eingestellt (Egg-shape) sein. Zu dem klassischen kastigen Caban-Schnitt gefällt mir das nicht. 

 

Ärmel einsetzen

Ärmel einsetzen, das erschien mir ganz zu Beginn meiner Näh-Journey wie Magie! Mittlerweile verfolge ich eine bestimmte Methode, die eigentlich immer funktioniert, vorausgesetzt natürlich, die Konstruktion stimmt.  Zur genauen Technik des Einsetzens möchte ich noch mal einen separaten Beitrag schreiben, deshalb an dieser Stelle nur die Essentials:

 

Mit Heftfaden die Vertikale des Ärmel markieren, dies dient dazu, den Sitz zu kontrollieren.

Die obere Kante der Ärmelkugel mit einem Reihfaden einhalten, also kürzer werden lassen. Das kann man per Hand mache, oder mit der Maschine. Dazu stellt man die Stichlänge auf Maximal und lockert den Oberfaden.

Nach dem Einhalten kann man die Ärmelkugel zusätzlich mit Dampf dressieren und dort den Stoff schrumpfen lassen, das geht aber natürlich nur bei Wollstoffen. Dafür braucht Ihr ein kleines ovales Bügelkissen, das in die obere Armkugel passt. Das könnt ihr übrigens auch selber nähen, ich habe Euch dafür ein Schnittmuster erstellt.  Nun sollte man den Ärmel locker von den Fingerkuppen hängen lassen können, weil die Schnittkante nun horizontal verlaufen sollte. 

  • Damit der Armausschnitt nicht ausleiert, kann man ihn mit Kettstichen etwas einhalten
  • Den Ärmel zunächst nur an der unteren Kante (Achselhöhle) zwischen den beiden Ärmelpunkten glatt anstecken. Dann den Schulterpunkt passgenau ans Oberteil stecken. Dazwischen kann man noch einige wenige Nadeln stecken.
  • Den Sitz probieren: Hängt der Ärmel gerade, oder muss der gesamte Ärmel rotiert werden? Im Idealfall verläuft die Heftnaht senkrecht.
  • Wenn der Sitz grundsätzlich passt, dann kann man den Ärmel einheften. Kleine Stiche machen! Außerdem immer mal wieder außen prüfen, ob man noch auf der richtigen Spur ist. 
  • Im Bereich der Ärmelkugel die Heftnaht mit kleinen Rückstichen sichern, sonst verschiebt sich die Mehrweite der Ärmelkugel und bildet ggf. Falten. Darauf achten dass sich etwas mehr Einhalteweite der Ärmelkugel nach dem Schulterpunkt, also Richtung Rücken, befindet. 
  • Noch mal kontrollieren und dann an der Maschine knapp innerhalb der Heftnaht nähen. Genäht wird immer auf der Ärmelseite. Bei sehr fransenden Stoffen noch mal mit Zickzackstich beide Nahtzugaben versäubern.
  • Jetzt können Ärmelfische und Schulterpolster angebracht werden.

 

Die Jacke füttern

Ich habe die Jacke mit Ice wool gedoppelt, da der Oberstoff einen Tick zu dünn war. Das Zeug fusselt ziemlich, lässt sich aber prima verarbeiten und ist auch sehr leicht. Beim Nähen mit der Maschine muss man allerdings darauf achten, dass das Nähfüßchen nicht in den Maschen hängenbleibt, denn Ice wool ist gestrickt, nicht gewebt, und hat ziemlich lockere Maschen. Die Ärmel habe ich nur teilweise gedoppelt.

 

Die Futterjacke wird zunächst ohne die Ärmel genäht, Schulternähte bleiben offen. Dann nähe ich einen gefalteten Schrägstreifen auf den inneren Beleg der Jacke, Bruchkante Richtung Vorderkante der Jacke. Die offenen Kanten des Schrägstreifens und des Belegs liegen also aufeinander. Das kann man mit der Maschine machen, ich mache das gerne gemütlich von Hand, mit kurzen Rückstichen (die Vorstiche sind etwas länger als die Rückstiche).

 

Nun stecke ich die Futterjacke mit untergefalteter Nahtzugabe auf den Schrägstreifen. Dann nähe ich das Futter mit kleinen Staffierstichen an den Schrägstreifen. Dabei darauf achten, dass der Abstand zur Schrägstreifen-Bruchkante immer gleich breit ist, der sichtbare Teil des Schrägstreifens also immer gleich breit ist. Wer nicht so ein geübtes Augenmaß hat, der kann sich das auch vorsichtig anzeichnen.

Zum Schluss schließt man die Schulternähte und heftet das Futter ringsum an den Armausschnitt.

Wenn alles passt, kann man an dieser Stelle schon den unteren Saum staffieren ich mache das aber in der Regel erst ganz zum Schluss.

 

Ärmelfutter anbringen

Damit das Ärmelfutter bei Bewegung nicht reißt, wird es mit etwas Mehrlänge und -weite im oberen Bereich zugeschnitten. Damit es aber nicht unten aus dem Ärmel hervorschaut (schon bei billigen Kaufjacken gesehen....), wird der Futterärmel am Jackenärmel befestigt.

Hierzu dreht man alles auf links und steckt man die Saumzugaben der langen Nähte aufeinander und heftet den Futterärmel auf den Jackenärmel. Nun stülpt man den den Futterärmel über den Jackenärmel. 

Nun heftet man die Ärmelkugel nochmal provisorisch fest, damit sie beim Nähen nicht nach unten zieht. Die Ärmelkugel des Futterärmel hält man etwas ein und steckt alles ringsum fest. Im Bereich der Ärmelkugel die Stecknadel quer zur Naht stecken. Dann alles mit Staffierstich annähen.  

So, das wars fast schon! Jetzt fehlen die Knopflöcher und Knöpfe, und das gute Stück ist fertig.

 

Euch allen noch einen schönen Advents-Sonntag!

 

Eure Anne Sophie

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 Heyy Oskar

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