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Schnell noch ein Sommer-Top für heiße Tage, und was ich dabei für Schnittmusterkonstruktion gelernt habe

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Puh, noch nie war ein Geräusch schöner: Wie habe ich das Rauschen des Regens diese Woche genossen! Ich habe während der letzten Wochen gemerkt, dass ich einen Bedarf an Kleidung für richtig heiße Tage habe. Zum einen, da es wochenlang und nicht nur für einzelne Tage mal heiß war. Zum anderen, weil ich sonst eigentlich lieber luftige, aber bedeckende Kleidung trage, denn ich verbrenne sehr schnell, und das ewige Sonnencreme-Geschmiere geht mir auf den Geist. Ich bin also normalerweise definitiv #Team Ärmel, aber das war zuletzt einfach nicht mehr auszuhalten.

 

Ein schnelles Sommertop musste her, und was würde sich da besser anbieten, als es gleich mal selber zu entwerfen... Ich hatte auch kurz überlegt, das Projekt für eine Konstruktion von der Pieke auf zu verwenden, um dann gleich ein Valentina-Tutorial zu machen, habe mich dann aber dagegen entschieden. Ganz so simpel ist nämlich ein Oberteil-Sloper dann doch nicht, wegen der Abnäher, die man meistens auch noch verlegen muss. Das ist zwar kein Hexenwerk, aber man braucht dafür dann schon fast alle Funktionen, die Valentina so zu bieten hat. Das ist für ein Einstiegs-Tutorial einfach zu viel. Außerdem brauchte ich das Top JETZT. Ich habe während der Corona-Zeit leider ein paar wenige, aber entscheidende Kilos zugenommen, wodurch ich gerade echt einem Mangel an passender UND zusammenpassender Kleidung habe. Und da ich, wie ich gemerkt habe, auch ein Defizit an einfarbigen Shorts und Röcken habe, werde ich Euch Valentina dann anhand des Rock-Projekts zeigen, das demnächst noch folgt. Denn es soll ja nochmal heiß werden, und in den Urlaub fahren wir endlich auch mal wieder... Den Mangel an einfarbigen Unterteilen in meinem Schrank könnt ihr an der langen (!) Hose sehen, die ich auf den Fotos trage. Ich habe den einzigen kühleren Tag letzte Woche genutzt, um schnell mal Fotos zu machen. 

 

So aber nun zu dem Top! Ich habe es aus einem Reststück Seersucker genäht, ein Stoff, der einfach unschlagbar bei Hitze ist. Leider ist er etwas aus der Mode gekommen, und deshalb schwer zu finden, oder man muss Bettwäsche schlachten :-)

Als Basis habe ich irgend ein Kauf-Schnittmuster verwendet, und dann lediglich die Länge verändert, den Saum abgerundet, sowie den Ausschnitt als V-Ausschnitt gestaltet und an den Trägern die Schleifen zum knoten hinzugefügt.

 

Die Schleifenenden sind angesetzt und doppellagig genäht, damit sie Stand erhalten. Wenn man sehr weichen Stoff verwendet, könnte man eine Lage der Schleifen auch mit Einlage versehen, aber beim Seersucker war das nicht nötig. das Top selber ist ungefüttert. Die Ausschnittkanten sind mit Schrägband verstürzt. 

 

 

Achtung, jetzt wird es technisch:

Ich trage das Top an sich sehr gerne, allerdings gibt es ein kleines Manko: Anscheinend habe ich einen etwas breiteren Brustkorb, als der Durchschnitt. Bisher dachte ich, dass sich das nur auf den Rücken bezieht, aufgrund von rückenfreundlichem Sport, den ich früher getrieben habe, und wahrscheinlich wegen der vielen Gartenarbeit. Ich kenne es schon, dass Kleidung, die mir von den Proportionen sonst gut passt, oft auf Achselhöhe/etwas darüber spannt, wenn ich die Arme bewege. Es ist nicht viel, aber genug, dass es stört. Eine Nummer größer kaufen klappt meist nicht, weil mir dann die Achseln/der Ausschnitt... sonst wo hängen. Wenn ich Jacken mit Rücken-Mittelnaht nähe, füge ich dort deswegen insgesamt ca. 1 cm hinzu und dressiere ganz besonders gut.

Aber hier sieht man jetzt, dass es auch auf den vorderen Brustkorb zutrifft, denn wenn ich die Arme bewege, bilden sich dort Falten. Das stört mich bei diesem Top nicht wirklich, abgesehen davon, dass die Corona-Kilos ja auch wieder runter sollen... Es hat mich aber neugierig gemacht, inwieweit und wo ich tatsächlich abweiche von den Normgrößen. Deswegen werde ich das Top nochmal nähen, diesmal aber komplett auf meine Maße angepasst, und dann vergleichen.

 

Es gibt da zwei Faktoren, die dabei eine Rolle spielen:

  1. Manche Maße werden nicht gemessen, sondern berechnet, da das Messen schwierig und daher ungenau ist. Es werden dort dann Formeln verwendet, die auf Erfahrungswerten beruhen, es sind also Näherungen. Z.B. sagt eine Methode, dass die Brustweite (vorderer Brustkorb von Achsel zu  Achsel) etwa dem Brustumfang/4 minus einem Betrag von 4-5cm, je nach Oberweite, entspricht.
  2. Konfektionsgrößen sind Durchschnittswerte, die von Land zu Land und Hersteller zu Hersteller verschieden sind. Mir passt spanische Kleidung nicht, holländische oder dänische Kleidung sehr gut, sofern man sie kürzen kann, denn ich bin kleiner als der Durchschnitt.

Ich habe, um Punkt 1. zu veranschaulichen, mal ein paar Punkte sowohl gemessen, als auch berechnet. Verwendet habe ich die Methoden aus dem Buch von Hofenbitzer Band 1. Da zeigen sich schon die ersten Abweichungen bei mir, auch wenn ich erstaunt war, wie gut die Formeln funktionieren. Ich habe der Einfachheit halber ein Oberteil ohne Abnäher konstruiert, und die berechneten Werte immer mit _calc markiert. Hier seht ihr, dass sowohl mein Rücken, als auch meine Brustweite ein wenig breiter ist, als die berechneten Werte. Und zwar genau um die 0,5 cm pro Schnittteil, die ich immer Pi mal Daumen am Rücken hinzugefügt habe.

  

 

 Was man auch sieht ist, dass mein Oberkörper oberhalb der Achseln deutlich kürzer ist als die Norm, aber das wusste ich bereits. Da werde ich nochmal nachmessen, denn es kommt mir sehr viel vor. Wenn es drauf an kam, habe ich bisher meistens in der Länge dort auf Gr. 34 gradiert, die Weite aber auf 36/38. Das ist natürlich Pfusch. :-) Ich konnte beim Konstruieren auch genau beobachten, wie wichtig genaues Messen ist. Manchmal habe ich falsche Zahlen notiert, oder ungenau gemessen, und man sieht dann am Schnitt schon, dass da was nicht stimmt, selbst bei kleineren Fehlern. Denn diesen Sloper konstruiert man zunächst körpernah ohne Zugaben, d.h. es wäre viel zu eng, wenn man darauf basierend etwas nähen würde. 

Schnittmuster konstruieren mit Software, Valentina Schnittmusterkonstruktion

Hochspannend, ich würde jetzt gerne auch noch mit den Werten für Konfektions-Kleidung vergleichen. Leider sind diese Maßtabellen schwer zu bekommen und ziemlich teuer. Müller und Sohn hat solche Tabellen, andere Hersteller dann wieder andere. Soweit ich weiß, ist das hierzulande nicht genormt. In Japan verwendet man oft Tabellen der Bunka-Schule. Ich habe daher Werte pro Größe aus verschiedenen Quellen zusammengeklaubt und fehlende auch wieder berechnet. Ganz akkurat ist es also nicht. Rot bin ich, die andern beiden Linien sind gr.36 und 38. Wobei ich die Vermutung habe, dass es hier eine konservativ kleine 36 ist. Meistens passt mir Gr. 38 in der Weite sehr gut bei Schnittmustern, wobei ich dann an den Schultern ordentlich wegnehmen muss. Aber dass sind ja auch nur Definitionen, was aber spannend zu sehen ist, dass sich mich bei Schulter und Brustkorb geirrt habe: Meine Schultern sind zwar schmal, so dass vorne die Schulterbreite im Verhältnis kleiner ist. Aber der breitere Rücken führt dazu, dass bei Oberteilen ohne Abnäher das Rückenteil stärker an den Schultern eingehalten werden müsste. Anscheinend habe ich auch recht gerade Schultern, das war mir neu.

gradierung, Schnittmuster

Ich kann zusätzlich bestätigen, was bisher meine Annahme war: Mein Oberkörper ist kurz, meine Taille nicht so sehr ausgeprägt, und meine Hüfte ist lang. Ungefähr so wie bei Ihr hier, die Gene sind definitiv vorhanden :-) 

 

Ich werde bei Valentina noch eine Größentabelle kaufen, um Mehrgrößenschnitte erstellen zu können. Dort sind sie im Vergleich zu hier geradezu billig. Bin gespannt, wie die für mich funktionieren, da diese auf Daten in der Region ehemalige Sowjetunion beruhen. Der Standard dazu heißt GOST, falls das jemanden interessiert.

 

Liebe Grüße, Eure Anne Sophie

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